Also, wegen dem Essen hat sich der Besuch jetzt nicht gerade gelohnt.
Obwohl die Pommes wirklich lecker waren. Ich meine, sie waren ok, Pommes halt. Wer aber das opulente vegane Speisenangebot des Veggie Street Days genossen und ein ähnliches auf dem Kirchentag in Dortmund erwartet hatte, kann heute nur enttäuscht gewesen sein.
Hatte man einerseits das leibliche Wohl etwas arg vernachlässigt, war man andererseits um das geistliche Wohl aber umso mehr bemüht: Eine Vielzahl an hochkarätigen, prominenten Referenten und zahlreichen interessanten Informationsständen sorgten dafür, dass ich den Kirchentag trotzdem in guter Erinnerung behalten werde.
Los ging es heute morgen gegen 10.30 Uhr mit einem sehr bewegenden Vortrag über die Schimpansenausstellung von Gut Aiderbichl, gehalten von Michael Aufhauser persönlich. Erwartet hatte ich eigentlich nur eine Fotoausstellung, wunderschöne Porträts von jetzt glücklichen Affen, die in riesigen Freigehegen leben. Von der jahrzehntelangen Isolationshaft in den Versuchslabors zu hören und die Aufnahmen dieser schwer traumatisierten, misshandelten Tiere zu sehen, war nicht nur für mich kaum zu ertragen. Den anschließenden Dokumentarfilm konnte ich dann nur fünf Minuten aushalten – gut, dass ich mich direkt auf dem “Markt der Möglichkeiten” im Dortmunder “Depot” ablenken konnte. Wobei die Themen an den Ständen dort auch nicht unbedingt für besonders gute Laune sorgten – aber darum geht es im Tierschutzbereich ja nicht.
Ob das der Grund für die doch recht übersichtliche Besucherzahl war? Schuld könnte auch das miese Wetter gewesen sein. Ein Platzregen folgte dem nächsten, kein Wunder, dass die große Festwiese im Fredenbaumpark mehr einem Sumpfgebiet glich. Einfach war es nicht, an die Pommes zu kommen. Möglich ist, dass man im Vorfeld mehr Werbung hätte machen müssen. Dass es überhaupt so etwas wie einen 1. Kirchentag Mensch und Tier gibt, hatte ich jedenfalls nicht durch meine Gemeinde erfahren, sondern eher durch einen Zufall. Und dann könnte es an dem Eintrittspreis gelegen haben, dass hier die engagierten Tierfreunde weitgehend unter sich blieben: 25,- Euro für drei Tage waren zwar angesichts der immensen Anzahl an Vorträgen in zahlreichen Kirchen und Gemeindehäusern völlig gerechtfertigt, aber vielleicht für weniger Gutbetuchte ein Grund, doch lieber zu Hause zu bleiben. Nun habe ich mit Kirchentagen keine Erfahrungen – dies war mein erster – aber ich denke schon, dass man zumindest beim “Markt der Möglichkeiten”, der ja ausschließlich aus Info- und Verkaufsständen bestand, auf die Vorlage der Eintrittskarte hätte verzichten können.
Und es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum auf dem “Markt der Möglichkeiten” kein Essen verkauft werden durfte und ich darauf angewiesen war, durch die Sumpflandschaft des Fredenbaumparks zu irren, um eine Pommes zu bekommen – aber lassen wir das jetzt… ![]()
Im Fredenbaumpark verfolgte ich die Diskussion “Das Tier zwischen Ware und Würde” (u.a. mit Claudia Ludwig, Prinzessin Maja von Hohenzollern, Michael Aufhauser, Dr. Ulrich Seidel), hörte das Kirchentagslied (komponiert und vorgetragen von Markus Matschkowski) und danach führte mich ein längerer Fußmarsch zur Markuskirche, wo es weiter mit Diskussionen ging: “Wäre Gott auf die Jagd gegangen” und “Versuchslabor – Begegnungsstätte von Mensch und Tier”. Als letztere dann – wie der Titel schon vermuten ließ – ins Absurde abzugleiten drohte, kehrte ich wieder zurück zum “Markt der Möglichkeiten” und freute mich, dort viele alte Bekannte zu treffen – auch liebe Kunden, mit denen ich bis dahin immer nur telefonischen bzw. Mail-Kontakt gehabt hatte.
Schließlich kaufte ich mir noch ein neues Kochbuch. Und daraus wird jetzt erst einmal etwas Vernünftiges gekocht.



