Auf die Plätze…

Übrigens laufe ich wieder. Seit dem 31. August 2020. Durch die Altstadt am Friedhof entlang, durch einen schönen Park, dann durch eine Villengegend, an einer Hauptstraße entlang zurück durch ein gepflegtes Wohngebiet, einen weiteren schönen Park und danach wieder am Friedhof vorbei nach Hause.

Fertig?

Mir kam zugute, dass ich noch ein hervorragendes Paar Asics-Laufschuhe aus den 2010er Jahren besaß und damit sofort durchstarten konnte. Aus meinem alten „forever young”-Ratgeber von Dr. med. Ulrich Strunz wusste ich bereits, dass ich mich vor und nach dem Laufen dehnen und am besten langsam starten sollte. Für den Anfang würden 3 Minuten Laufen, die ich von Tag zu Tag steigern könnte, ausreichen – immer im Wechsel mit schnellem Gehen. Meine Erfahrung sagte mir, dass diese ersten 3 Minuten mir quälend lang vorkommen werden, aber auch, dass es nach zwei Wochen so ab 15 Minuten ein Kinderspiel sein würde, am darauf folgenden Tag direkt 30 Minuten am Stück zu laufen. Ab da würde der Spaß richtig beginnen.

Los!

Und so kam es auch. Am Tag 1 schleppte ich mich also entlang des Altstadtfriedhofs durch den hügeligen Park, hyperventilierte durch die chice Villengegend, danach an der Hauptstraße entlang zurück durch den anderen Park, in dem mir ein Mann mit südländischem Aussehen von Weitem in gebrochenem Deutsch zurief: „Du laufen schlecht!” Leider bekam ich kaum Luft, um zu antworten. Aber ich gebe zu, dass ich flüchtig an meine Google-Suchergebnisse dachte, als ich mal das Wort „Joggerin“ eingegeben hatte. Doch fast zeitgleich änderte sich dieser deprimierende Gedanke und mir kam in den Sinn, dass dieser Mann aus der Entfernung wegen meiner immer noch hennagefärbten Haare vielleicht gar nicht hatte erkennen können, dass ich seine Großmutter hätte sein können und einfach nur irgendeine Form der Kontaktaufnahme gesucht hatte. Als ich mich wieder am Altstadtfriedhof entlang zurück nach Hause quälte, traf mich dann die Erkenntnis, dass ich tatsächlich schlecht lief. Aber ich wusste, dass es besser werden würde. Von Tag zu Tag.

Hatte ich noch in den 2010er Jahren immer einen Tag Pause gemacht, bevor ich wieder die Laufschuhe angezogen hatte, entschied ich mich jetzt für Streak Running – also jeden Tag mindestens 1,6 km laufen. Meine Strecke beträgt ca. 4 km, die ich in etwa 30 Minuten gut schaffen kann. Ich habe ziemlich lange gegoogelt, ob ich mir mit meinen 54 Jahren da nicht etwas zu viel vorgenommen hatte. Die Meinungen sind da wirklich etwas kontrovers, die meisten empfehlen mindestens einen Ruhetag pro Woche oder höchstens 5 Tage am Stück zu laufen. Dr. Strunz spricht sich aber in seinem „forever young“-Ratgeber für tägliches Laufen aus und letztlich überzeugte mich Lauftrainer Andreas Butz von www.laufcampus.com mit seinem Tipp „Laufen Sie sieben Mal für die Seele und drei- bis viermal für ein längeres Leben.“

Wer täglich läuft, hat keine Ausreden mehr, wenn das Wetter mal nicht so gut oder der Terminplan etwas voll ist. Bisher hatte sich immer gezeigt: Es ist für mich jeden Tag möglich und es macht für mich jeden Tag Sinn. Denn nach jedem Lauf ist meine Stimmung erheblich besser als vorher und ich merke (dieses Phänomen hatte ich übrigens auch schon mal nach einer Stunde Ashtanga-Yoga beobachtet), dass ich die verstörenden Nachrichten und Informationen dieser chaotischen Welt einfach besser für mich einordnen kann. Social Media ist für mich nicht mehr so besonders interessant, weil die kühle Herbstluft da draußen, das knisternde Laub unter meinen Laufschuhen und die vielen Eichhörnchen, die gerade emsig ihre Wintervorräte anlegen, tatsächlich viel interessanter sind und im Hier und Jetzt mehr mit mir zu tun haben als irgendeine Horrormeldung, die sich gerade im Internet verbreitet.

Gestern rief mir ein Hundebesitzer fröhlich entgegen: „Durchhalten! Noch 40 Kilometer.“ Aber klar doch. Wird gemacht.

Lesetipps:

Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede (Haruki Murakami)

Healthy Brain, Happy Life (Wendy Suzuki, Billie Fitzpatrick)

Läuft bei mir (Bella Mackie)

forever young (Dr. med. Ulrich Strunz)

https://www.runnersworld.com/runners-stories/g22000411/best-running-features/

Foto: www.unsplash.com

Fight or flight

Gegenwärtig fühle ich mich immer wieder an eine Situation erinnert, die sich 2012 in der Uniklinik ereignete. Als ich nach meiner Krebsdiagnose vor dem CT-Raum darauf wartete, dass in der Röhre das ganze Ausmaß meiner Erkrankung festgestellt wird. Neben mir hockte ein Mann in meinem Alter, der in der gleichen Lage war und unaufhörlich auf mich einredete. Dass er niemals das machen würde, was die Ärzte sagen, egal was jetzt bei der Untersuchung herauskäme. Dass naturheilkundliche Behandlungen mit Kräutern immer besser wären. Dass die ihn überhaupt mal alle könnten, er würde sein eigenes Ding durchziehen. Er wüsste, dass sogar Essigwasser schon helfen könnte.

panic
Photo by Tonik on Unsplash

Es war, als wollte er seine offensichtliche panische Angst mit einer Wut auf die Schulmedizin kompensieren. Er redete sich regelrecht in Rage. Ich meinte, ich würde mich da doch lieber auf die konventionellen Behandlungsmöglichkeiten verlassen. Es würde schließlich genug seriöse Studien geben. In meinem Fall hatte ich schon herausgefunden, dass sowieso nur eine Chemotherapie in Frage kommen würde, da es für triple-negativen Brustkrebs leider noch keine zielgerichtete Therapie gibt. Aber er ließ sich absolut nicht überzeugen: „Unsinn, diese ganzen Verbrecher stecken doch alle mit der Pharma-Mafia unter einer Decke, googeln Sie das mal! Apfelessig! Selbst Apfelessig hilft schon!“

Ich weiß nicht, was aus diesem Mann geworden ist. Aber eine junge Facebook-Freundin mit meiner Diagnose, die sich allein auf eine obskure Heilkräuterbehandlung verlassen hatte, ist nach wenigen Monaten gestorben.

Menschen reagieren unterschiedlich auf Gefahren – in der Regel ist eine Fight-or-flight-Reaktion zu beobachten. Die einen kämpfen derzeit mit allen Mitteln gegen die Ausbreitung der Seuche: Lockdown, Social Distancing, selbstgebastelten Masken. Die anderen flüchten sich in absurde Verschwörungstheorien. Meiner Erfahrung nach haben letztere die schlechteren Karten.

Ohne mich!

Es gibt keine dummen Fragen? Zur Zeit macht eine gemeinsame Anfrage an die Fraktionen des deutschen Bundestages die Runde, die das Gegenteil beweist – gestellt von

Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Medizinische Mikrobiologie, Universität Mainz
Prof. Dr. Stefan Hockertz, Toxikologie/Immunologie, tpi consult GmbH, Bollschweil, ehem. Univ. Hamburg
Prof. Dr. Stefan Homburg, Volkswirtschaftslehre, Universität Hannover
Prof. Dr. Werner Müller, Betriebswirtschaftslehre, Hochschule Mainz
Prof. Dr. Dr. Harald Walach, Psychologie, Universität Witten-Herdecke.


Photo by Edwin Hooper on Unsplash

Die komplette Anfrage ist hier nachzulesen.

Ja, beschämend, dass Professoren angesicht der erfolgreichen Corona-Maßnahmen überhaupt auf so etwas kommen können. Ich gehe hier auf einzelne Punkte ein. In dem Schreiben heißt es unter anderem:

„Die sich in dieser Situation aufdrängende Problemlösung, über eine fortschreitende Infektion eines überwiegenden Teils der Bevölkerung eine Herdenimmunisierung zu erreichen, wurde anscheinend ohne jede Prüfung verworfen.“

Völliger Unsinn, da dieses Szenario selbstverständlich in mehreren Modellrechnungen längst überprüft worden ist, z.B. vom Imperial College in London. Das RKI hat erst vor ein paar Tagen wieder darauf hingewiesen, dass die Forderung nach einer kontrollierten Herdenimmunität „gefährlich“ und „naiv“ ist.

„Die psychischen Schäden lassen sich wirtschaftlich kaum quantifizieren. Die Schließung von Schulen, Kindertagesstätten und Spielplätzen schädigt unsere Kinder. Ihre Lernmotivation wird geschädigt und sie verlernen soziales Verhalten.“

Die getroffenen Maßnahmen sind für fast alle eine Belastung. Wären keine Maßnahmen getroffen worden, wären die Belastungen aber um ein Vielfaches höher gewesen – auch für Kinder, deren Lieblingslehrer womöglich auf der Intensivstation gelandet wäre oder die in ihrem Kindergarten den Tod einer Gruppenleiterin hätten betrauern müssen.

„Weil es mit der Herdenimmunisierung ein geeignetes und minder schweres Mittel gibt, wie Schweden, Südkorea oder Taiwan beweisen, sind die Maßnahmen der Regierung unzulässig.“

Schweden hat – gemessen an der Einwohnerzahl – mittlerweile die siebthöchste Sterberate und das Vereinigte Königreich ist ein weiteres Negativbeispiel dafür, was passiert, wenn man die Epidemie erstmal einfach so laufen lässt. Südkorea und Taiwan setzen in ihrem Kampf gegen die Pandemie weniger auf Herdenimmunisierung, sondern ebenfalls auf „soziale Distanz“ (Beschränkungen für Kirchen, Unterhaltungseinrichtungen, Sportveranstaltungen) sowie einem ausgeklügelten, sehr drastischen Kontroll- und Überwachungssystem, welches in Deutschland schon allein aus Datenschutzgründen völlig undenkbar ist.

Überhaupt lässt sich bereits jetzt überall auf der Welt verfolgen, welche katastrophalen Auswirkungen eine sogenannte Herdenimmunisierung auf die Übersterblichkeit haben könnte. Trotz eingeleiteter Schutzmaßnahmen sterben derzeit in Paris täglich doppelt so viele Menschen wie normalerweise, in New York gibt es inzwischen sogar 6 x so viele Tote.

„Wir zweifeln an, dass es überhaupt eine besondere Bedrohung der Bevölkerung und selbst der Risikogruppen gibt.“

Absurde Feststellung angesichts der dramatischen Zahlen aus Italien, Frankreich, Spanien, den USA und dem Vereinigten Königreich (Link siehe oben).

„In der Zeit vom 01.01. bis 04.03.2017 sind im zeitlichen Zusammenhang mit einer Grippewelle in der Altersgruppe ab 80 Jahren 25.243 Personen mehr gestorben als im gleichen Zeitraum des Jahres 2016, in dem vom Robert-Koch-Institut keine Grippewelle registriert wurde, wobei zur Vergleichbarkeit der 29.02.16 nicht berücksichtigt wurde.“

Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, denn bei den angeblichen Grippetoten handelte es sich um eine bloße Schätzung. Tatsächlich gemeldet waren nur 1.674 Grippe-Todesfälle. Wir haben aber lt. Johns Hopkins University bis heute bereits 6.736 Corona-Todesfälle in Deutschland zu verzeichnen.

„Wenn bei über 25.000 Toten überhaupt keine Bedrohung vorgelegen hat, dann wird eine besondere Bedrohung wohl frühestens bei der dreifachen Anzahl* vorliegen können.“

Siehe oben. Mittlerweile haben wir hier so gerechnet sogar schon die vierfache Anzahl an Toten und es werden täglich mehr.

„Die Verlängerung einer Sterbephase ist kein überragend wichtiges Gemeinschaftsinteresse! Sie widerspricht wahrscheinlich sogar dem Interesse der Sterbenden. Eine Lebensverlängerung um ein Jahr reicht nicht aus.“

Kein Arzt dieser Welt kann für sich beanspruchen, den Todeszeitpunkt eines Patienten bestimmen zu können. Die Idee, man könne bei alten oder vorerkrankten Menschen schon ein Jahr vor dem Tod eine Sterbephase feststellen und ihnen deshalb von vornherein ein weiteres Lebensrecht absprechen, da das Gemeinschaftsinteressse (eine florierende Wirtschaft) höher zu bewerten wäre als ihre „Lebensverlängerung“, ist nicht nur zutiefst menschenverachtend in Hinblick auf Alte und Vorerkrankte, sondern auch in Hinblick auf eine derartige Gemeinschaft an sich. Ich möchte jedenfalls nicht in einer Gesellschaft leben, in der wirtschaftliche Interessen höher stehen als das menschliche Leben.

„Bei einem wirtschaftlichen Schaden von 1.000 Mrd. € wären das 5.000 € pro gerettetem Lebenstag, und das wahrscheinlich bei stark eingeschränkter Lebensqualität. Diese hohen Kosten sind durch nichts zu rechtfertigen.“

Siehe oben. Mal ganz abgesehen davon, dass wir einen noch viel höheren wirtschaftlichen Schaden hätten, wenn reihenweise FacharbeiterInnen, Ärzte und Ärztinnen und andere Angestellte in systemrelevanten Berufen schwer erkranken und sterben werden.

Es folgen abschließend vier Fragen nach
– der Entscheidung gegen die Herdenimmunität
– der Sterblichkeit
– der Rechtfertigung für hohe wirtschaftliche Schäden
– der Schließung von Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen und Hochschulen.

Die Professoren empfehlen, ihren unausgegorenen Text mit einem kurzen Satz wie „Ich schließe mich den Fragen der 5 Lockdown-kritischen Professoren an.“ an die Bundestagsfraktionen zu schicken. Nichts liegt mir ferner. Ich habe meine Antworten längst gefunden und es ist mir ein Rätsel, warum Prof. Bhakdi und Co. darauf noch nicht selbst gekommen sind.

Der Tierheimkalender 2020 ist da!

Heute in meinem Briefkasten gelandet: der neue Mülheimer Tierheimkalender für 2020! Randvoll mit wunderschönen Tierfotos (aufgenommen von Friedhelm Niederdorf) und den dazugehörigen Texten (erstellt von Marion Niederdorf). Und ich habe mich wieder gerne um Satz, Reinzeichnung und Druck-PDF gekümmert.

kalender

Der Kalender ist wie immer gegen Spende beim Mülheimer Tierschutzverein, im städtischen Tierheim sowie bei vielen Tierärzten in Mülheim erhältlich. Es würde mich freuen, wenn alle Mülheimer Tierheimbewohner so wie Titelkatze Britt ein tolles, neues Zuhause finden.