Monatsarchiv: März 2009

Bernadette La Hengst kommt!

Mein Bekannter A. war letztens völlig aus dem Häuschen: „Bernadette La Hengst kommt!“ Der Name sagte mir auf Anhieb überhaupt nichts, deshalb ließ ich mich gerne belehren: Bernadette habe schon bei „Die Braut haut ins Auge“ mitgespielt und sei unglaublich vielseitig. Er – A. – besäße sämtliche CDs von ihr, auch meine Bekannten B. und C. wären völlig hingerissen von ihren Live-Auftritten. Bereitwillig ließ ich mich von ihm durch Youtube lotsen und öffnete „Kill your idols“. Und wurde erstmal etwas enttäuscht. Das Ganze erinnerte mich fatal an Ulla Meinecke, deren Betroffenheitslyrik mich schon in den 80-er Jahren genervt hatte – dabei war das immerhin die große Zeit der LiedermacherInnen gewesen… Während ich noch etwas an A.s Musikgeschmack zweifelte, überredete er mich, das skurrile Video „Der grüne Halsbandsittich“ sowie ihr Projekt „Der Utopist“ zu öffnen. Was mich dann doch überzeugte: A. hat völlig Recht, Bernadette La Hengst ist tatsächlich unglaublich vielseitig. Ihr Konzert am 23.4.09 im Oberhausener „Druckluft“ ist ganz bestimmt einen Besuch wert. 

Mein Fehler an dem Abend mit A. war, später erneut „Kill your idols“ aufzurufen und es immer wieder anzuklicken. Seitdem geht mir das Liedchen nicht mehr aus dem Kopf. Echt furchtbar, ich summe es schon den ganzen Tag, scheine es überhaupt nicht mehr loszuwerden. Hier, für Eure Ohren, damit Ihr auch was davon habt: 🙂

Karen Duve: Taxi

Ich konnte ja einen kleinen Aufschrei des Entzückens nicht unterdrücken, als mir letztens in der Stadtbücherei das Hörbuch „Taxi“ von Karen Duve in die Hände fiel. Die Hörbuch-Version von ihrem Buch „Dies ist kein Liebeslied“ hatte mich schon ziemlich begeistert – selten hatte ich Bügelberge und sonstige lästige Arbeiten mit so viel Vergnügen hinter mich gebracht wie mit diesem Hörbuch auf den Ohren. Deswegen war mir völlig klar: Selbst wenn „Taxi“ nur halb so gut sein würde wie „Dies ist kein Liebeslied“, hatte ich diesmal bei meinem Büchereibesuch einen echten Joker gezogen.

taxiklein

Um es kurz zu machen: Das Hörbuch hat alle meine Erwartungen übertroffen. Und das lag nicht nur an Karen Duves hervorragender Beobachtungsgabe, ihrer detailreichen, fantasievollen Sprache und ihrem wunderbaren Sinn für Situationskomik, sondern vor allem an der Sprecherin Anneke Kim Sarnau. Die Art und Weise, wie sie berlinert, hamburgert, immer wieder zwischen den einzelnen Charakteren wechselt, ist so grandios, dass das Hörbuch auch gut als Hörspiel durchgehen könnte.

Zum Inhalt: Es geht natürlich um das Taxifahren, um mehr oder weniger gescheiterte Existenzen (sowohl auf dem Fahrer- als auch auf dem Beifahrersitz) und ein bisschen um die Frage, was einem eigentlich ein hoher IQ nutzt, wenn man nichts Gescheites damit anzufangen weiß. Ob die Protagonistin es am Ende schafft, aus der immer gleichen Tretmühle auszubrechen, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Mich hat die Geschichte keine Minute gelangweilt. Seltsamerweise passiert mir das immer nur bei Karen Duves Hörbüchern. In ihrem hochgelobten „Regenroman“ komme ich seit Monaten nicht über S. 81 hinaus. Aus irgendeinem Grund geht es mir dort auf die Nerven, wenn wirklich jeder Regenschauer, jede Matschwiese, Bruchbude etc. bis ins kleinste Detail analysiert und haarklein beschrieben werden. Dass gerade das sicherlich eine der Stärken dieser Autorin ist, steht außer Frage, nur stellt das ungeduldige Menschen wie mich schon auf eine harte Probe. Nach 81 Seiten intensivster Stimmungsbilder konnte ich immer noch nicht erkennen, wann es endlich mit dem Wesentlichen losgeht. Leider. Vermutlich sollte ich mir einfach vom „Regenroman“ auch mal die Hörbuchfassung ausleihen. Bei Karen Duves anderen beiden Büchern ist die jedenfalls sehr gelungen.

Karen Duve: Taxi
Gelesen von Anneke Kim Sarnau
Verlag: Eichborn
ISBN-10: 3821854723
ISBN-13: 978-3821854724
4 CDs
ca. 19,- Euro