Folgt nicht dem rosa Kaninchen

„Pinktober“ naht mit Riesenschritten und damit auch eine Flut pinkfarbener Aktionen, die vor allem eines wollen: auf Brustkrebs aufmerksam machen und auf die Möglichkeit, ihn früh zu entdecken. Doch egal, ob sich ein Mann in einem rosa Tutu vor dem Brandenburger Tor fotografieren lässt, Krebskranke auf YouTube den „Happy Dance“ veranstalten oder sich hunderte Läuferinnen bei irgendwelchen Marathon-Wettkämpfen verausgaben – die Brustkrebsraten steigen weiter rapide an.

In dem Film „Pink Ribbons, Inc.“ wird eindrücklich gezeigt, wie die geschickte Kommerzialisierung einer ursprünglichen Graswurzel-Initiative nicht nur für gigantische Einnahmen sorgt, sondern gerade diejenigen im Stich lässt, denen die Billionen Dollars, die bereits gesammelt wurden, wirklich helfen könnten:

Es fällt mir etwas schwer, die vielen gut gemeinten Initiativen zu kritisieren, weil ich weiß, mit wie viel Engagement und Feuereifer Betroffene dabei sind, wenn es darum geht, sich trotz der Erkrankung fröhlich und zuversichtlich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Immer schön positiv denken, immer schön positiv wirken, bloß nicht anecken und unangenehme Fragen stellen – diese für viele Frauen oft so typischen Verhaltensmuster kommen sicherlich auch Organisationen wie Komen zugute. Ganz zu schweigen von dem prinzessinnenhaften, mädchenhaften Pink, das geradezu prädestiniert dafür ist, aus einer furchtbaren Erkrankung, mit der eigentlich niemand sich beschäftigen möchte, einen Marketing-Erfolg zu machen. Wie würde wohl die Verteilung der Spendengelder aussehen, wenn all den rosafarbenen UnterstützerInnen bewusst wäre, dass auch die hunderttausendste pinke Info-Tasche niemanden weiterbringt, sondern nur echte Forschung? Wüssten wir vielleicht dann schon längst, woher diese teuflische Krankheit kommt? Und wie wir sie wirklich heilen können?

Ann Silberman hat jetzt in einem brillanten Artikel analysiert, warum wir keine rosa Schleifchen mehr brauchen: Link. Und ich denke, sie hat wirklich Recht, wenn sie schreibt: „Awareness should no longer be the main breast cancer agenda in 2014. It’s time to roll up the pink ribbons and focus on research.“

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3 Antworten zu “Folgt nicht dem rosa Kaninchen

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