Monatsarchiv: September 2016

Sick World

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Boris T. Kaiser hat letztens einen ganz interessanten Blogbeitrag zu dem Thema „Den Preis, den man zahlen muss…“ geschrieben: Link. Ich kann seinen Eindruck nur bestätigen. Wie Boris T. Kaiser habe ich überhaupt nichts mit Rassismus am Hut und Nationalsozialismus ist nun wirklich nicht mein Ding. Bei jeder öffentlichen Facebook-Diskussion über Merkels Asylpolitik habe ich stets so sachlich wie möglich, immer auf der Basis von Zahlen und Fakten argumentiert und selbst die übelsten Kotzbrocken höflich und freundlich mit den aktuellsten Links zum Thema versorgt. Trotzdem wurde ich wegen meiner kritischen Haltung entfolgt und entfreundet.

Die wenigsten meiner Entfolger/Entfreunder kenne ich persönlich, aber die, die ich kenne, könnte ich in zwei Gruppen einteilen.

1. Menschen, deren Aggressionspotential mir insgeheim schon immer etwas suspekt vorkam und die sich mit besonders bösartigen, verletzenden Kurznachrichten von mir verabschiedeten.

2. Und Bekannte, die sich vor ein paar Jahren während der akuten Phase meiner Krebserkrankung plötzlich fast ein Bein für mich ausgerissen hatten. Also eher ganz besonders liebe, hilfsbereite Zeitgenossen, deren spontane Anhänglichkeit und Fürsorge mich zwar damals ein bisschen irritiert, die ich aber spätestens ab da zu meinen echten Freunden gezählt hatte. Wenn diese sich überhaupt zu einer Abschiedsmail herabließen, dann drückten sie sich etwas gewählter aus, behandelten mich aber auch so, als hätte ich mich der Wehrsportgruppe Hoffmann angeschlossen.

Fakten unerwünscht

Warum es mit der Diskussionskultur und Meinungsfreiheit in Deutschland leider nicht zum Besten steht, hatte ich ja bereits in einem meiner letzten Blogartikel versucht zu analysieren (Link). Kürzlich ist mir aber eine weitere Komponente aufgefallen, die die Debatte so besonders hochemotional und hysterisch macht und die vielleicht auch das Verhalten der zweiten Gruppe etwas erklärt (neben der Blödheit, die ich nach wie vor als Hauptgrund ansehe):

Kritikern von Merkels Asylpolitik wird gerne unterstellt, sie wären gegen Kriegsflüchtlinge, würden ihren Reichtum nicht mit Kriegsflüchtlingen teilen wollen und würden Kriegsflüchtlingen sogar schaden wollen. Diese Vorstellung muss jeden halbwegs sensiblen Menschen empören und wenn man dann vielleicht noch ein Helfersyndrom hat, also geradezu besessen davon ist, sich für Leidende aufzuopfern, dann kann die bloße Annahme einer dermaßen herzlosen Haltung selbst die friedlichste Teddybärenverteilerin zu einer reißenden Furie werden lassen.

Der Punkt ist nur: Meines Erachtens hat tatsächlich kaum einer irgendetwas gegen Kriegsflüchtlinge. Selbst 76% der AfD-Anhänger sind für die Aufnahme von Menschen, die vor Krieg oder Bürgerkrieg fliehen (Link). Wirtschaftsmigranten wird ebenfalls viel Verständnis entgegengebracht – wer würde nicht für die Aussicht auf ein besseres Leben einige Länder durchreisen? Worum geht es also eigentlich konkret? Es geht doch vor allem darum, …

– Fluchtursachen zu bekämpfen
– Kriegsflüchtlingen zu helfen
– Wirtschaftsmigration zu ermöglichen.

„Deutschland hat keinen einzigen Syrer gerettet“

Weshalb das mit Merkels Asylpolitik überhaupt nicht realisierbar ist und warum ihre Einladung an alle eher Menschenleben gekostet als gerettet hat, erklärt der Oxford-Ökonom Paul Collier in diesem Interview: Link. Ich finde seine Ansichten ziemlich vernünftig und kann nicht erkennen, was daran verwerflich sein soll.

Mittlerweile geht es in Deutschland auch immer mehr um…
– das Tragen von Burkas
– neue Bäderordnungen
– die innere Sicherheit
– die Spaltung der Gesellschaft.

Und in Europa um die Destabilisierung, die Merkel durch ihren Alleingang verursacht hat. Ich bezweifle, dass diese Dinge noch in den Griff zu bekommen sind – jedenfalls nicht mit Menschen der Gruppen 1 und 2, die eher Teile des Problems als Teile der Lösung sind. Gern lasse ich mich aber eines Besseren belehren. Wenn in meiner recht übersichtlichen Facebook- und Twitterwelt schon überhaupt nichts mehr stimmt, kaum eine sachliche Diskussion möglich ist und ich von sogenannten Facebook-Freunden geblockt werde, weil ich einen dänischen Mohammed-Karikaturisten verteidige – wie soll das dann eigentlich in der realen Welt funktionieren?

Nachtrag: Lt. jüngster Spiegel-Umfrage lehnen übrigens inzwischen 82 Prozent der Deutschen Merkels Asylpolitik ganz oder teilweise ab (Link).

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Sven Kreidermacher ist tot

Sven Kreidermacher

Sven Kreidermacher

Kürzlich ist leider einer meiner lieben Facebook-Freunde verstorben: Sven Kreidermacher (Zwetschgo). Ich mochte ihn sehr gern. Sven hatte einen ganz wunderbaren trockenen Humor. Auf seinem Blog www.kreidermacher.de beschrieb er sich so: „Mein Leben ist weitestgehend ereignislos und daran versuche ich nun die Menschheit teilhaben zu lassen.”

Also, ich hatte nicht den Eindruck, dass es wirklich ereignislos war. Sven hatte viele Interessen, aber auch so viel zu kämpfen – besonders gegen die deutsche Bürokratie und zuletzt wohl vor allem gegen seine Krankheiten (steht alles auf seinem Blog). Vielleicht kennt der eine oder die andere von Euch ihn vom Mediengestalter-Forum. Wer möchte, kann sich nun an den Kosten seiner Beerdigung beteiligen: Paypal-Konto. Und hier sind noch mehr Infos: Facebook-Link.

Update: Es werden keine weiteren Spenden mehr benötigt – Svens Beerdigung ist jetzt finanziert.

Und immer schön aus der Reihe tanzen!

Man beachte auch die dicke Strumpfhose und das alberne Bolerojäckchen. Was haben sich meine Eltern bloß dabei gedacht… 😀
AusderReihe2