SuB-Challenge: Erste Liebe

hell

Leider ist mir kurz bevor ich mich meiner September-Herausforderung widmen konnte, „Die Helle Stunde“ von Nina Riggs in die Quere gekommen.

Dieses Buch bestellte ich vor einigen Monaten, nachdem ich darüber eine extrem gute Rezension in der New York Times gelesen hatte (Link). Das Resümée „Riggs, a dying woman, will show you how to live“ hatte mich neugierig gemacht. Könnte eine todkranke, an metastasierten Brustkrebs leidende Frau, mich mit komischen Anekdoten aufheitern oder mir tatsächlich zeigen, wie es möglich ist, in schwierigen, chaotischen Zeiten zu leben und dieses Leben auch noch zu lieben? Dafür hätte ich das Buch sogar in der amerikanischen Originalversion („The Bright Hour“) bestellt, entdeckte dann aber auf Amazon, dass im September die deutsche Fassung erhältlich ist und nutzte dort direkt die „Vorbestellung“.

Letzte Woche ist es dann also angekommen und mich hätte schon der eigentlich falsch geschriebene Titel stutzig machen müssen. Nina Riggs hatte eine besondere Verbindung zu Gedichten, ihren „Master of Fine Arts“ im Fach Poesie gemacht und dieses ganz spezielle Denken, die Doppeldeutigkeit von Wörtern, der fantasievolle Umgang mit Sprache und Begebenheiten, ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch, flankiert durch Zitate von Montaigne und ihrem berühmten Vorfahren, ihrem Urururgroßvater Ralph Waldo Emerson. Diese Mischung kann ein Buch besonders interessant machen, aber auch etwas nerven – vor allem an den Stellen, an denen man den Eindruck hat, dass manche sprachlichen Feinheiten oder Witze in der deutschen Übersetzung gar nicht so zünden können wie es in der amerikanischen Originalfassung vielleicht der Fall gewesen ist.

Aber das war nicht der einzige Grund, warum ich an diesem Buch wirklich nichts, absolut nichts witzig, komisch oder sonstwie aufbauend empfand. Wie sich gleich auf den ersten Seiten herausstellte, hatte Nina Riggs nämlich ausgerechnet triple-negativen Brustkrebs – also genau die Horrordiagnose, die ich selbst vor ziemlich genau fünf Jahren bekam.

Ich habe irgendwann mal den Spruch gelesen, dass die Dinge, auf die man sich fokussiert, immer größer und größer werden und natürlich ist das bei Krebserkrankten auch der Tod, der plötzlich wie ein Elefant unübersehbar mitten im Raum steht. In Nina Riggs Buch kommt er gleich mehrfach vor… ich will jetzt nicht verraten, wer alles wie stirbt, aber es sind auf jeden Fall für meinen Geschmack zu viele Todesfälle, als dass man hier noch von einem heiteren Lebensratgeber sprechen könnte. Verrückterweise stelle ich in meinem Alltag Ähnliches fest: immer mehr Tote, zuletzt traf es die wunderbare Claire (Link), die ich so für ihre inspirierenden Beiträge geliebt habe. Aber selbstverständlich gibt es auch Menschen, die wie ich überlebt haben. Eine triple-negative FB-Freundin von mir hat sogar letztens ein Baby bekommen – ein ganz bezauberndes kleines Mädchen. Vielleicht liegt darin der Schlüssel zum Glück: Einfach auf das Leben schauen, sich auf das Liebenswerte zu fokussieren. In Nina Riggs Buch blitzt diese helle Seite stellenweise durchaus immer wieder auf, vor allem im Umgang mit ihren Kindern, aber es ist meiner Ansicht nach insgesamt viel zu traurig und zu erschütternd, um für Betroffene eine echte Hilfe zu sein.

Und so kam es, dass ich von Alexa Hennig von Langes „Erste Liebe“ gerade mal den Klappentext und die ersten Zeilen gelesen habe. Es geht in dem Buch offenbar um eine Teenagerliebe und Elternprobleme – nichts interessiert mich im Moment weniger. Aber immerhin: Ich habe auch diesem Buch im Rahmen meiner „SuB-Challenge“ eine Chance gegeben. Weiter geht’s mit meiner Oktober-Herausforderung: „Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft“ von Benjamin v. Stuckrad-Barre.

Literaturangaben:

„Die Helle Stunde“
von Nina Riggs
btb

„Erste Liebe“
von Alexa Hennig von Lange
rowohlt

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