Mit Linken diskutieren

Ein ganz typisches Beispiel für die derzeit in Deutschland gelebte Diskussionskultur hat sich in den vergangenen Tagen in einer Mülheimer Facebook-Diskussionsgruppe namens „Mölmsche Politik“ zugetragen. Dort ist für gewöhnlich der Hund begraben. Ein Teilnehmer postet hin und wieder Fotos von interkulturellen Festen, ein anderer den neuesten Raubüberfall usw.. Aber ab und zu kommt es eben doch zu politischen Themen, so wie vergangenen Mittwoch. Ein Mitglied veröffentlichte die Ankündigung, dass die AfD am Dienstag, 29.10.2019 um 19 Uhr in der Mülheimer Stadthalle einen Bürgerdialog veranstalten möchte. Neben zwei Politikern, die mir nichts sagten, soll auch Frau Dr. Weidel zugegen sein.

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Sofort meldeten sich einige empörte Stimmen: es sei ein „Unding“, wenn man „Rassisten“ in der Stadthalle auftreten lassen würde. Ich bat daraufhin um Belege dafür, dass es sich bei den drei AfD-Politiker/innen tatsächlich um „Rassisten“ handelt und vertrat außerdem die Ansicht, dass es eher ein Unding sei, Deutschlands größter Oppositionspartei keine Möglichkeit einzuräumen, Rede und Antwort zu stehen. Dass das innerhalb einer funktionierenden Demokratie möglich sein müsse, dass ich nicht in einem Land leben möchte, in dem es keine Redefreiheit gibt.

Es ist mir immer noch ein Rätsel, was an dieser Feststellung eigentlich so falsch ist.

In Sekundenschnelle wurde mir unterstellt, „Rassisten“ zu unterstützen, ich würde „nach Fascho Manier“ brüllen (keine Ahnung, was damit gemeint war) und ich wäre nun „enttarnt“. Ich würde meine Fähigkeit, „halbwegs Sätze bauen zu können“, für „schmutzige Ziele“ einsetzen.

Als Beleg für „Rassismus“ wurde sodann ein tendenziöser Artikel über Weidels Rede vom vergangenen Jahr im Bundestag gepostet – die Rede, in der sie sich über die ungezügelte Einwanderung beklagt hatte und das Wort „Kopftuchmädchen“ in einem Satz untergebracht hatte, in dem es auch um „Taugenichtse“ ging. Hierzu äußerte ich, dass sich „Taugenichtse“ in ihrer Aufzählung auch auf die „Messermänner“ hätte beziehen können, ich aber dennoch Schäubles damalige Rüge angemessen fand. Mir würde die Rhetorik auch nicht gefallen – zu sehr Bierzeltrede – das Thema hätte sie sachlicher und faktenbasierter behandeln können, denn natürlich würde nur ein vernünftiges Einwanderungsgesetz den Fachkräftemangel beheben. Wörtlich schrieb ich an einer Stelle: „‪Es ist nun aber so, dass durch die illegale, unkontrollierte Masseneinwanderung tatsächlich nicht gerade mehrheitlich Raketenforscher und andere geistige Überflieger zu uns gekommen sind, die dieses Land wirtschaftlich weiterbringen.“

Danach war die Hölle los. Obwohl ich diese an sich einfache Binsenweisheit mit zahlreichen Links belegen konnte, bekam ich für jeden neuen Beitrag die Rassismus-Keule übergezogen. Zum Beispiel führte ich aus, dass gerade Flüchtlinge aus unterschiedlichen Gründen (fehlende Sprachkenntnisse, fehlende Bildung, Traumatisierungen etc.) häufig leider nicht geeignet sind, als Fachkräfte zu arbeiten. Dies sei aber hinzunehmen, da wir schließlich aus humanitären Gründen und nicht aus wirtschaftlichen Gründen diesen Menschen helfen möchten. Ich erwähnte zudem, dass die Zuwanderer, die allein 2018 verdächtigt wurden, über eine Viertelmillion Straftaten begangen zu haben, wohl ebenfalls nicht als Fachkräfte in Frage kommen.

Es war eigentlich völlig egal, was ich schrieb, welche Statistiken ich anführte, wen ich zitierte. Es kam kein einziges vernünftiges Gegenargument, immer nur die Rassismus-Keule. Dabei ging es meinen Kontrahenten zusätzlich noch darum,

– mich zu beschämen („‪Frauen über 50 mit rot gefärbten Haaren sind sexuell frustriert‬“) und/oder
– mich zu diffamieren („‪Sie können sich Ihr gefälschtes, humanistisches Mäntelchen umhängen, so oft Sie wollen‬“).

Vor allem diese beiden Taktiken sind mir nun schon häufiger begegnet. Frei nach Mao: „Bestrafe einen, erziehe 100“. Zum krönenden Abschluss (ich hatte mich schon längst aus der Steinigung Diskussion zurückgezogen) wurde ich auch noch vom Moderator aus der Gruppe geschmissen und blockiert. Vier meiner Kontrahenten hätten sich über meine Beiträge bei ihm beschwert, erfuhr ich heute auf meine Nachfrage. „‪Extremistisches Gedankengut, egal von welcher Seite, wird hier nicht geduldet‬“ steht nun unter dem Thread. Beunruhigend, dass der simple Wunsch nach Redefreiheit neuerdings auch dazu gehört. Selbst der wurde – wie alle anderen Beiträge von mir in diesem Thread – komplett gelöscht.

Warum ich das alles schreibe?

– Weil es anderen ähnlich geht und

– weil die an Claudia Carius gerichteten Antworten (also die Beleidigungen und Diffamierungen) zum jetzigen Zeitpunkt immer noch dort öffentlich zu lesen sind. Wer die Diskussion nicht kennt, muss annehmen, dass diese Claudia Carius ununterbrochen Hakenkreuze und Ku-Klux-Klan-Bilder gepostet hat – anders lassen sich die boshaften Antwortbeiträge nicht erklären.

Es wundert mich nicht, dass sich mittlerweile nur noch jeder fünfte Deutsche in der Öffentlichkeit frei fühlt, seine Meinung zu äußern. In Diskussionsforen wie „Mölmsche Politik“ wird deutlich, warum das so ist.

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Vegane Produkte, die man sich schenken kann

Das schon mal vorweg: Es gibt wirklich ganz wunderbare vegane Lebensmittel, die ich gerne kaufe und auch gerne empfehle*. Zum Beispiel so ziemlich alle Produkte der Firma Wheaty (besonders die Virginia Steaks und das Gyros) und die Tofu-Sorten der Firma Taifun (hier vor allem den Tofu „Basilico“).

Veganismus ist weiterhin angesagt, das Vegan-Label steht für Umwelt- und Tierschutz und inzwischen machen ja auch Aldi, Lidl und McDonald’s mit, wobei ich den „Big Vegan TS“ dieser in veganen Kreisen doch eher verpönten Fastfood-Kette übrigens sehr lecker finde. Im Zuge des anhaltenden Booms geraten immer wieder neue vegane Produkte auf den Markt, die meiner Ansicht nach eher in die Tonne gehören und sich wahrscheinlich nicht sehr lange halten werden.

Meine aktuellen Top 3 der veganen Lebensmittel, die man sich schenken kann:

1.) Cashew Natur mit veganen Joghurtkulturen von dm (ca. 0,95 Euro)

joghurt

Sieht nur nur aus wie Gips, sondern schmeckt auch so, wie wohl nur Gips schmecken kann: unangenehm, pappig, irgendwie nicht wie etwas, was man essen sollte. Das ist sehr schade, da ich normalerweise a) Cashewkerne und b) Joghurt sehr liebe. Mit diesem Produkt ist es gelungen, zwei an sich wirklich köstliche Komponenten zu etwas Ungenießbarem zu vereinen.

2.) The Wonder Burger von Aldi Süd (ca. 2,49 Euro)

burger

Es ist mir absolut unverständlich, warum er auf YouTube so gute Bewertungen bekommen hat. Hier muss ich mich den vereinzelt kritischen Stimmen anschließen: Er war so eklig, dass ich fest damit gerechnet hatte, mich innerhalb der nächsten zwei Stunden übergeben zu müssen. Ging gerade nochmal gut, trotzdem: nie wieder. Dann lieber irgendeinen Grünkernbratling – der wäre wahrscheinlich auch gesünder.

3.) Pizza „Kap Verde“ von Domino’s Pizza
(ab ca. 4,99 Euro)

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Sieht eigentlich toll aus, ist reichhaltig belegt – wenn nur dieser vegane Reibeschmelz (also der Käseersatz) nicht gewesen wäre. Dadurch ergab sich ein sehr muffiger, vergammelter Geschmack, der an eingeschlafene Füße erinnerte. Tipp: Einfach ohne veganen Reibeschmelz bestellen, dann ist sie sicherlich genießbar.

*Ich stehe in keinerlei Verbindung zu den im Folgenden genannten Marken und werde natürlich auch nicht für die Nennung, Abbildung und/oder eine Produktbeurteilung bezahlt.

Deutschland

Wer es noch nicht weiß: Mit Klick auf den Start-Button des Videos wird eine Verbindung zu „YouTube“ und „doubleclick.net“ aufgebaut, dabei werden Daten übertragen (siehe Datenschutzhinweise). Zu diesem Hinweis direkt am vorgestellten Video bin ich möglicherweise verpflichtet, vielleicht aber auch nicht – vielen Dank dafür, dass das Leben nun so kompliziert ist, liebe EU.

Rammsteins Deutschland – ein düsteres Meisterwerk, das eindringlich den gegenwärtigen Zeitgeist widerspiegelt und meines Erachtens gerade vielfach falsch interpretiert wird. Denn bei dem fulminanten Ritt durch die deutsche Geschichte wird oft übersehen: eine dunkelhäutige Protagonistin führt und gebiert Schäferhunde und ist am Ende des Musikvideos die Herrscherin, d.h. die eigentliche Machtstruktur (bestehend aus Herrscher/in und Beherrschten) ist trotz jahrtausendealter blutiger Auseinandersetzungen erhalten geblieben. Größenwahn und Grausamkeit sind von einer schwarzen Germania also genauso zu erwarten wie von einer weißen.

Zudem werden Szenen aus dem Dritten Reich (die schon vorab für viel Kritik gesorgt haben) neben denen des SED-Regimes und der RAF gestellt – das Video ist also keine einfache, plumpe Positionierung „gegen Rechts“ (wie viele Kommentatoren jetzt schreiben), sondern gegen eine bestimmte überhebliche Übermenschen-Attitüde („Übermächtig, überflüssig, Übermenschen überdrüssig“), wie sie auf beiden Seiten des politischen Spektrums vorkommt. Fazit: „Wer hoch steigt, der wird tief fallen.” Tja, es gibt leider kein Happy End. Typisch Deutschland.

Steele ist kunterbunt

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Vergangenen Sonntag, Demo in Essen-Steele: „Besorgte Eltern stehen auf gegen Gewalt“. Laut Polizei 500 Demonstranten. Im Gegensatz zu der direkt nebenan stattfindenden Gegendemo „Steele ist kunterbunt“ werden hier in einem Polizei-Zelt die Taschen der Teilnehmer durchsucht. Ich muss mich von meinem Pfefferspray trennen.

Vor einem Lieferwagen, dessen Ladefläche als Bühne dient, scharen sich ältere Menschen, jüngere Menschen, Menschen in Rollstühlen, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit vielen Tätowierungen und ohne. Sind das nun die bösen Rechtsradikalen, vor denen WAZ und Caritas im Vorfeld gewarnt hatten?

Während von der Gegendemo laut „Halt die Fresse“-Sprechchöre über den Platz hallen, wird hier jedenfalls zugehört. Wir hören den aramäischen Flüchtling Zeki Acar, der sich unter Beifall für ein buntes, verständnisvolles Deutschland ausspricht. Wir hören Serge Menga (Foto), der an die Menschlichkeit und das Miteinander erinnert und auch daran, dass man selbst im Kongo einen gültigen Pass benötigt, um einreisen zu können. Und natürlich sind die negativen Folgen von Merkels Politik ein Thema. Nur Rassismus – Hauptthema und Anlass der Gegendemo – kann ich in den Redebeiträgen nicht entdecken.

Als bereits abgebaut wird, fragt ein etwa 10-jähriger Junge mit offensichtlichem Migrationshintergrund nach dem Megaphon: „Darf ich auch mal was sagen?“ Der Kleine bekommt das Megaphon überreicht und schreit dann lauthals rein, in Richtung der linken Gegendemonstranten: „MEIN NAME IST ALI UND IHR SEID ALLES ARS….LÖCHER!“

Kindermund.

Auslöschung

„Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist, sich zu verändern.“ (Charles Darwin)

Ich weiß wirklich nicht mehr genau, warum ich überhaupt ein Netflix-Abonnement abgeschlossen habe. Ein paar Dokumentarfilme fand ich wohl ganz sehenswert und dann lockte natürlich auch die Riesenauswahl an Serien, von denen ich aber bis auf ein paar Folgen „Outlander“ keine länger anschauen konnte. Ob „The Crown“ oder „Orange is the new black“ – irgendwie hatte alles so einen B-Movie-Touch und auch bei „Outlander“ verlor ich irgendwann das Interesse, weil mir die Dialoge allesamt so entsetzlich platt vorkamen.

Etwas anders war das bei dem aktuell angelaufenen Netflix-Streifen „Auslöschung“ mit der wunderbaren Natalie Portman. Hier fesselte mich gleich die Vorschau und den 12. März 2018, das Datum der Netflix-Veröffentlichung, notierte ich mir sogar in den Kalender, um diesen einen Film auf keinen Fall zu verpassen. Zunächst deckte sich mein Eindruck mit dem Fazit vieler Kritiker auf Facebook: „Langweilig!“, „Enttäuschend!“, „Lahm!“

Kurze Inhaltsangabe, ohne Spoiler: Der Ehemann einer Biologin kehrt von einer mysteriösen Expedition heim und bricht gleich darauf zusammen. In einer futuristisch anmutenden Krankenstation erfährt die Frau (Natalie Portman), dass er in einem Gebiet unterwegs war, das von einem seltsamen „Schimmer“ umwabbert wird, ein Ort, aus dem bisher keiner lebendig zurückkam. Gemeinsam mit einigen anderen Frauen macht sie sich auf den Weg, diese sogenannte „Area X“ zu erkunden, hat ein paar „gruselige“ Begegnungen (ehrlich gesagt fand ich da die alten Godzilla-Klassiker aus meiner Kindheit aufregender) und das alles bleibt natürlich nicht folgenlos.

Was mich aber dennoch an dem Film beeindruckte, war dieses deprimierende Grundthema, das parallel neben der eigentlich hanebüchenen Handlung immer wieder anklingt: Wie etwas Fremdes, das von außen eindringt, das eigene Selbst völlig verändern und auflösen kann, bis überhaupt nichts mehr von einem übrig bleibt. Wie ein biologischer Prozess in Gang gesetzt wird, der die eigene Persönlichkeit vernichtet und durch etwas anderes ersetzt, sodass man am Ende selbst nicht mehr weiß, ob man nur noch eine Kopie seiner Selbst ist. Die Ausweglosigkeit und die Akzeptanz dieser unwiderruflichen Entwicklung wirkten auf mich wie eine Parabel auf Merkels missratene Migrationspolitik.

Mittlerweile gibt es eigentlich kaum einen Tag mehr ohne irgendwelche Messer-Attacken, Vergewaltigungen und Morde und nach wie vor steht jeder, der darüber spricht oder dagegen demonstriert, im Verdacht, „rechts“ zu sein. Besonders auffällig finde ich die immer weiter zunehmende Brutalität und Grausamkeit, mit der die Taten begangen werden. Angriffe auf Rentnerinnen und Rentner. Frauen, denen die Gesichter eingetreten werden. Die arme Flaschensammlerin, die nach einer Gruppenvergewaltigung von einem ihrer Peiniger aus Eritrea auch noch angepinkelt wurde (Link).

Die andauernden Horror-Nachrichten haben mich verändert. Ich bin ängstlicher, misstrauischer und wütender geworden. Ich schaue mir bestimmte Fernsehmagazine (vor allem die mit Anja Reschke und Georg Restle) aus Selbstschutzgründen nicht mehr an und lache nicht mehr über die Gags in der „Heute-Show“. Ich besuche meine Gemeinde nicht mehr, weil ich mir die dortige „Refugees Welcome“-Euphorie nur noch auf die Nerven geht. Ich vermeide es, abends allein unterwegs zu sein. Ich versuche jeden Tag, die auf mich einstürzenden Meldungen zu sortieren: Was ist wirklich relevant für mich? Was eine zukünftige Bedrohung? Wie habe ich mich zu verhalten?

Heute haben die PolitikerInnen von CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke im Bundestag dann noch gegen bessere Kontrollen an den Grenzen gestimmt und damit dafür gesorgt, dass Merkels Einladung an alle weiterhin gilt (Link). Der Prozess ist eigentlich jetzt schon unwiderruflich. Deutschland wird sich also weiter verändern. Und mit ihm seine Menschen.