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Aktion „BP – NEIN TANKE!“

© Alle Rechte vorbehalten von greenpeaceat

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Wien, 16.06.2010: Mit dem Slogan „BP – NEIN TANKE“ protestieren zwanzig Greenpeace AktivistInnen auf der BP Tankstelle am Schwedenplatz in Wien, um auf den unverantwortlichen Umgang mit der Ölpest im Golf von Mexico aufmerksam zu machen. Zudem startet Greenpeace einen Aufruf an alle AutofahrerInnen, nicht mehr bei BP zu tanken – so lange das Ölloch nicht abgedichtet ist, die von der US Regierung geforderten zwanzig Milliarden Dollar nicht auf ein Treuhandkonto überwiesen und die Tiefsee-Ölbohrungen nicht gestoppt sind. Vor Ort werden PassantInnen und AutofahrerInnen mittels Flugblättern informiert und zum Konsumverzicht bei BP aufgerufen.
© Greenpeace / Kurt Prinz

Danke, Greenpeace Österreich! Noch mehr Infos finden sich hier: Link.

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Boykott or not?

Bildquelle: aboutpixel.de / Pelikan bei der Morgentoilette © Jörg Krumm

Bildquelle: aboutpixel.de / Pelikan bei der Morgentoilette © Jörg Krumm

Die vergangenen Tage habe ich mich sehr viel mit dem Thema „BP-Boykott“ beschäftigt – besonders angeregt durch eine Greenpeace-Mitteilung vom 26.05.2010, in der Greenpeace es ablehnt, in Deutschland zu einem BP-Boykott aufzurufen. Ähnlich wie Greenpeace habe auch ich in meinem letzten Artikel den Standpunkt vertreten, dass nicht nur BP, sondern auch Shell und Esso an Umweltzerstörungen beteiligt sind und es jetzt gilt, den eigenen Energieverbrauch grundsätzlich in Frage zu stellen. Also: Ist jede Autofahrt notwendig? Ist überhaupt ein Auto nötig?
Aber wenn doch (weil eben nicht jeder in der glücklichen Lage ist, wie ich in der Kulturhauptstadt mit besten Verkehrsanbindungen zu wohnen): Ist es dann nicht egal, wo man es betankt, weil es schließlich – wie Greenpeace schreibt – sowieso keinen sauberen Kraftstoff gibt? Und: Ist es überhaupt ethisch akzeptabel, einem schon angeschlagenen, eigentlich längst am Boden liegenden Ölriesen jetzt auch noch zusätzlich einen Tritt durch einen Boykott zu verpassen? Sollte nicht vielleicht sogar eher dafür gesorgt werden, dass BP einen möglichst guten Umsatz macht, damit der Konzern die Milliardensummen an Schadensersatzforderungen bezahlen kann?

#bp – der Hashtag des Grauens

Wegen diesen Fragen habe ich eine Vielzahl an Webseiten abgesurft, vor allem aber auch amerikanische Twitter-Meldungen verfolgt. Einmal kurz den Albtraum-Hashtag #bp eingegeben, schon befindet man sich auf einem echten Höllenritt durch’s Internet – vorbei geht’s an brennenden Schildkröten, tausenden mit Öl verseuchten Vögeln und den völlig geschockten amerikanischen Küstenbewohnern, die sich in zahlreichen Tweets ganz vehement für einen BP-Boykott aussprechen. Alle Horrorgeschichten der letzten Tage in Worte zu fassen, würde jetzt zu weit führen. Einfach um meine Gedanken zu sortieren, nachfolgend für mich selbst, aber auch jeden interessierten Leser, eine kleine Auswahl an Meldungen, die NACH der Greenpeace-Mitteilung erschienen sind:
– BP hat offenbar bewusst unzureichende Rohrabdichtungen in Kauf genommen und aus Kostengründen auf den zeitintensiven Einsatz einer Zement-Sonde verzichtet (Link).
– Der Bohrinsel-Teilhaber Anadarko Petroleum Corp. bezeichnet das Verhalten von BP vor der Explosion als „leichtfertig“ und betrachtet es als „grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Fehlverhalten“ (Link)
– Selbst Tony Hayward spricht vor dem US-Repräsentantenhaus von einer „beispiellosen Serie von Fehlern“ (Link).
– Ständig neue, nach oben korrigierte Zahlen über den Ölaustritt schocken die Weltöffentlichkeit (Link).
– Bereits im April wurden von russischen Beobachtern anscheinend 18 weitere Stellen, aus denen Öl austritt, festgestellt (Link).
– BP-Zensoren verschleiern die Umweltkatastrophe (Link).

Heute hü, morgen hott?

Ich bin auch noch an einem Artikel vorbeigesurft, in dem es heißt, dass sich die Spitze der Grünen gegen einen Boykott-Appell ausgesprochen haben soll, weil eben große Umweltorganisationen wie Greenpeace und der BUND sich auch nicht dazu durchringen konnten (Link). Bedeutet das, dass Cem Özdemir und Claudia Roth ihre Pro-Boykott-Haltung vom 25.05.2010 (die Meldung erschien also einen Tag VOR Veröffentlichung der Greenpeace-Mitteilung) tatsächlich wegen Greenpeace aufgegeben haben? Auf der offiziellen Grünen-Website kann ich jedenfalls ihre kämpferischen Forderungen vom 25.05. nicht wiederfinden, treffe lediglich auf eine etwas allgemein formulierte Pressemitteilung „Weg vom Öl“ und eine harmlose von diesen üblichen Protestmailaktionen.
Wenn ich die deutschen Aktivitäten richtig überblicke, trauen sich bis jetzt nur zwei Organisationen – das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) und der Verein „David gegen Goliath“ (beide mir bis dahin völlig unbekannt) – offen zu einem Boykott aufzurufen. Von den Parteien äußert sich die Tierschutzpartei am deutlichsten auf ihrer Website über die Boykott-Möglichkeit, ruft allerdings nicht offen dazu auf, weil sie Klagen befürchtet.
Das allgemeine Herumgeeiere Die große Zurückhaltung der bedeutenden Umweltschutzverbände und der einzigen im Bundestag vertretenen Umweltschutzpartei ist eigentlich etwas unverständlich, da sich lt. einer repräsentativen Umfrage längst die Mehrheit der Deutschen für einen BP-Boykott ausspricht. Auch die auf Facebook gegründete Gruppe „1 Million gegen BP – boykottiert BP!“ scheint durch ihre wachsende Mitgliederzahl dieses Meinungsbild widerzuspiegeln.

Pro und Contra BP-Boykott

Heute dann zwei sehr empfehlenswerte Pro- und Contra-Artikel auf http://www.zeit.de: „BP-Boykott als Chance für eine Wende“ und „Der Stoff ist das Problem, nicht der Dealer“ – mit zahlreichen interessanten Kommentaren der Leserschaft.
Die Fragen, die ich mir oben gestellt hatte, konnte ich mir längst beantworten. Ein Boykott würde meiner Ansicht nach BP nicht den Todesstoß versetzen und auch nicht dafür sorgen, dass BP plötzlich seinen Schadensersatzverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.
Ein – ggf. auch zeitlich begrenzter – BP-Boykott ist meines Erachtens sinnvoll, weil dadurch
– die Öffentlichkeit für die Umweltsünden, die BP begangen hat und immer noch begeht (Beispiel Ölsandabbau), weiter sensibilisiert werden kann
– BP unter Druck gesetzt werden kann, keine Kosten und Mühen zu scheuen, das Golf-Desaster zügig in den Griff zu bekommen
– BP gezwungen werden kann, unabhängige Beobachter in das verseuchte Krisengebiet zu lassen, die offen über die wirklichen Ausmaße berichten können
– andere Ölgiganten wie Shell und Esso abgeschreckt werden können, ähnlich fahrlässig mit der Umwelt umzugehen.
Die Voraussetzung für einen erfolgreichen Boykott ist aber, dass mindestens eine der großen Umweltschutzorganisationen, eine Partei oder auch eine völlig neu gegründete Bürgerbewegung die in der Bevölkerung schon lange vorhandene Wut und Empörung konstruktiv nutzt, d.h. konkrete Forderungen formuliert und diese dann mittels einer groß angelegten Kampagne gezielt durchsetzt. Ich denke, dass vor allem Internetplattformen wie Facebook, YouTube und Twitter dabei eine ganz bedeutende Rolle spielen können.

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Informationen, die ich in den letzten Tagen zusammengetragen habe. Vielleicht erspart sie ja dem einen oder anderen eine längere Faktensuche oder hilft etwas bei der Meinungsbildung zu der wohl größten Umweltkatastrophe der Menschheitsgeschichte.

Bildquelle: www.aboutpixel.de

Aus gegebenem Anlass

Während der Golf von Mexiko vor den Augen der geschockten Weltöffentlichkeit weiter stirbt, hat die Internet-Community einen neuen Weg gefunden, mit ihrer Hilflosigkeit umzugehen. Neben dem oben gezeigten YouTube-Video, das sich großer Beliebtheit erfreut, häufen sich in Blogs und auf Twitter die zynischen Kommentare zu BPs Unvermögen, der Katastrophe Herr zu werden (Andrew Breitbart auf Twitter: „Oh good. CEO of BP yachting today while Obama & Biden golfing together. Thank God everything’s under control.“) Hervorheben möchte ich besonders den Satire-Account BPGlobalPR, der so brillant haarsträubende Meldungen verbreitet, dass sie mittlerweile von den Verlautbarungen des autorisierten BP-PR-Accounts kaum noch zu unterscheiden sind. Schwarzer Humor im wahrsten Sinne des Wortes.
Nur leider kann ich angesichts der monströsen Ausmaße dieser wohl schlimmsten Umweltkatastrophe der US-Geschichte nicht wirklich darüber lachen. Einen aktuellen Stand der Größe der Verseuchung veranschaulicht diese Website: www.ifitwasmyhome.com – einfach oben rechts auf North Rhine-Westphalia klicken.
Lt. www.sueddeutsche.de diskutieren die Grünen nun über einen Aufruf zum Boykott von BP – betroffen wären in Deutschland die Aral-Tankstellen des BP-Konzerns. Einige Überlegungen dazu: Bei den Milliardensummen an Schadensersatzforderungen, die BP eh schon zu leisten hat, wären die finanziellen Einbußen, die der Konzern durch so eine Aktion aushalten müsste, vermutlich lächerlich. Und von dem Imageschaden wird sich BP sowieso nie wieder erholen – ob mit oder ohne Boykottaufruf.
Dennoch halte ich es für wichtig, dass den Verantwortlichen solcher Katastrophen klar gemacht wird, dass sie nicht nur in der virtuellen Welt durch den Kakao gezogen werden, sondern dass ihre Umweltzerstörung auch ganz massive Auswirkungen auf das Konsumverhalten in der realen Welt hat. Egal, ob es um Esso (siehe auch: Exxon Valdez), Shell (Ölsandabbau) oder wie jetzt um BP geht: Kein Auto zu fahren, auf’s Fahrrad umzusteigen oder die Bahn zu nutzen, kann ein echtes Vergnügen sein, denn es hat vielerlei Vorteile und eben auch den positiven Nebeneffekt, dass man selbst so wenig wie möglich mit diesen ganzen Umweltverbrechen zu tun hat. Dieses Vergnügen gönne ich mir übrigens seit mittlerweile über 20 Jahren und ich kann nur jedem empfehlen, es einfach mal auszuprobieren. Aus gegebenem Anlass.