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SuB-Challenge: Nie war ich furchtloser

Der Juli ist schon fast vorbei und ich quäle mich immer noch mit meiner Juni-Herausforderung herum: „Nie war ich furchtloser“ von Inge Viett. Mein Lesezeichen ist zwischen den Seiten 66 und 67 steckengeblieben. Warum?

Viett

Es ist nicht so, dass Inge Viett durchgängig langweilt. Sie hat viel zu erzählen. Eine bewegte Kindheit als Pflegetochter in einer Bauernfamilie, ihre Jugend und ihre ersten Liebschaften, ihr Leben als junge Erwachsene (da bin ich gerade). Wenn sie in ihren eigenen Worten von ihren Erlebnissen berichtet, ist das Buch tatsächlich lebendig und unterhaltsam. Ermüdend wird es, sobald sie einen ideologisch-belehrenden Modus überwechselt, wie beispielsweise an der Stelle auf Seite 66, in der es um ihre Arbeit als Stripperin geht. Offenbar ist für sie grundsätzlich die Gesellschaft, das Patriarchat, an allem schuld. Immer wieder schwadroniert sie über Ausbeutung und Unterdrückung. Dass sie es selbst war, die ein Sport- und Gymnastikstudium kurz vor dem erfolgreichen Abschluss abbrach und sich stattdessen für die Stripperei in Gerds Bar entschied, scheint ihr gar nicht in den Sinn zu kommen. Ich überlege gerade, ob ihre traurige Kindheit Grund ist für dieses ausgeprägte Schwarz-Weiß-Denken, dieses Freund-Feind-Schema, in dem sie sich selbst anscheinend immer nur als Opfer der Umstände sieht, nie als Täterin, und ob hier auch der Baustein für ihre Karriere als Terroristin zu suchen ist. Vielleicht weiß ich es, wenn es komplett gelesen habe. Ich wünschte nur, es würde mich mehr interessieren…

Dass ich meine Juli-Herausforderung („Buddhistische Märchen aus dem alten Indien“) bloß kurz anlesen werde, ist jetzt schon klar. Egal. Ziel dieser Challenge ist ja bloß, den Büchern überhaupt eine Chance zu geben. Und das ziehe ich durch.

Literaturangabe:
„Nie war ich furchtloser“
von Inge Viett
Rowohlt Taschenbuch Verlag