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SuB-Challenge: Geständnisse eines Werbemannes

Dieses Mal bin ich nur bis Seite 12 gekommen, den Rest habe ich kurz durchblättert und überflogen. Das als „Kult-Klassiker“ angepriesene Buch (Klappentext-Zitat: „Pflichtlektüre für jeden, der es in der Werbung zu etwas bringen will“) ist sicherlich nicht uninteressant. Keine Frage, David Ogilvy hat ein überaus faszinierendes Leben geführt, er war der wichtigste Werbefachmann überhaupt und folglich wimmelt es im Register auch nur so von bekannten Persönlichkeiten und Marken, die allesamt von seinen damals wegweisenden Ideen beeinflusst wurden.

Wer die Schwarz-Weiß-Aufnahmen seiner Anzeigenkampagnen sieht, wird sich aber schnell bewusst: Diese „Bibel der Werbung“ hat schon einige Jährchen auf dem Buckel (Jochen Pläcking schreibt im Klappentext, er habe das Buch bereits in den 60er Jahren gelesen) und auch wenn einige von Ogilvys Tipps und Anregungen zeitlos sein mögen, gilt es doch genau zu differenzieren, was davon in unserem heutigen Medienzeitalter überhaupt noch realisierbar ist. Ich bezweifle, dass die langatmigen Geschichten zu den Produkten, die damals manche Zeitungsleser in den Bann gezogen und dazu bewegt haben, sie zu kaufen, heute noch funktionieren würden. In unserer schnelllebigen Welt geht es viel mehr darum, Emotionen und Kaufanreize möglichst rasch auszulösen, vor allem über visuelle Reize – kaum jemand wird sich heutzutage noch so intensiv mit einem Produkt wie beispielsweise dem Zippo-Feuerzeug beschäftigen, dass er vor dem Kauf erst einmal eine ganze Zeitungsseite darüber liest, selbst wenn die Story dazu noch so gut ist. Und das gilt leider auch für Ogilvys Buch. Sobald der Eindruck entsteht, etwas könnte altmodisch oder anstrengend sein, ist es nicht mehr wirklich attraktiv.

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Im Grunde verhält es sich mit dem riesigen Überangebot an ungelesenen Büchern, die hier herumliegen – für meine SuB*-Challenge habe ich mir ja nur die ältesten Problemfälle vorgenommen – so ähnlich wie mit allen Produkten in unserer völlig übersättigten westlichen Konsumgesellschaft: In meinem Haushalt setzt sich offenbar nur noch das durch, was
– besonders aktuell
– äußerst relevant sowie
– schnell und einfach konsumierbar ist.

Bei mir sind das immer noch vor allem Hörbücher, neuerdings häufiger über politische Themen. Im Moment höre ich zum Beispiel „Der neue Tugendterror“ von Thilo Sarrazin – ein so spannendes und unterhaltsames Werk, dass ich die gedruckte Buchversion noch nachträglich dazu bestellt habe, um das ein oder andere interessante Zitat schneller wiederzufinden. Aber das nur am Rande.

Meine Juni-Herausforderung („Nie war ich furchtloser“ von Inge Viett) hat zumindest einen aktuellen und relevanten Bezug zu unserer heutigen Situation, denn es geht darum, wie Radikalisierung in Terrorismus münden kann. Gut möglich, dass ich es tatsächlich komplett lesen werde. Aber darüber mehr in vier Wochen.

Literaturangabe:
„Geständnisse eines Werbemannes“
von David Ogilvy
Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co. KG, München

*SuB = Stapel ungelesener Bücher

SuB-Challenge: Süchtig nach Leben

Mit meiner April-Herausforderung – „Süchtig nach Leben“ von Peggy Parnass – bin ich schon wieder nicht sehr weit gekommen: Seite 22 und dann habe ich aufgegeben. Dabei ist das Vorwort von Ralph Giordano eigentlich recht vielversprechend und dass die Autorin viel erlebt und viel zu erzählen hat, ergibt sich schon aus ihren Beschäftigungen als Schauspielerin, Sängerin, Dolmetscherin, Reporterin und Autorin. Und ihrem politischen Engagement.

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Aber schon der erste Text „Wo es schön war“ zum Thema „Heimat“ (weil ihr das Wort so fremd ist, schreibt Peggy Parnass im weiteren Verlauf lieber nur über das „Zuhause“) ist mir zu anstrengend. Dazu muss man wissen: Peggy Parnass‘ Eltern wurden in Treblinka ermordet und sie wuchs teils in London, teils in verschiedenen Pflegefamilien in Schweden auf. Zudem studierte sie in allen möglichen europäischen Städten und reiste sehr viel – kann also wirklich als Kosmopolitin bezeichnet werden. Folglich ist „Heimat“ oder „Zuhause“ für sie so ziemlich jeder Ort, an dem sie sich wohlfühlt, aber auch Freunde, Sprachklänge und Erinnerungen. Es zieht sich also über mehrere Seiten ein ganz faszinierend buntes Sammelsurium an allen möglichen Eindrücken aus allen möglichen Ländern, es werden diverse Pflanzen, landestypische Speisen und Tänze etc. beschrieben und ich kann als Leserin nachvollziehen: Ja, das alles ist Peggy Parnass wichtig, das spielt in ihrem Leben eine Rolle. Das ist für sie Heimat und Zuhause. Ich vermute, dass sie auf den restlichen Seiten des Buches in diesem Stil weitermacht und auf jeden einzelnen Punkt genauer eingeht. Ihre zahlreichen Reisen beschreibt, von ihren vielen Freundschaften erzählt und dass auch das Essen nicht zu kurz kommt – auf jeden Fall stehen im Anhang des Buches einige ihrer Lieblingsrezepte.

Leider fühlte ich mich davon einfach nur überfordert. Too much information. Vielleicht brauchen manche Bücher auch etwas Zeit. Das Buch kommt zurück in meinen SuB (Stapel ungelesener Bücher) und ich stelle mich nun erst einmal meiner Mai-Herausforderung: „Geständnisse eines Werbemannes“ von David Ogilvy.

Literaturangabe:

„Süchtig nach Leben“
von Peggy Parnass
Konkret Literatur Verlag, Hamburg

SuB-Challenge: Der Wunschpunsch

Genauer gesagt (dieses eine Wort hatte ich auf dem Titel immer überlesen) „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ von Michael Ende. Meine Challenge für den Monat März bestand darin, dieses Buch aus meinem Stapel ungelesener Bücher zu lesen oder ihm wenigstens eine Chance zu geben.

Wer bereits „Momo“ oder „Die unendliche Geschichte“ verschlungen hat, wird sicherlich auch an diesem Kinderbuch seine Freude haben. Schon im ersten Kapitel gelingt es Michael Ende eine Spannung aufzubauen: Wer ist der Wunschpunsch? Wird Irrwitzer seinen bösartigen Auftrag bis Mitternacht erledigen können? Die immer wieder abgebildete Uhr mit dem immer weiter vorrückenden Zeiger steigert die Dramatik und macht Lust auf die nächsten Seiten. Als ich dann auf Seite 22 war, kam mir leider etwas dazwischen:

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Ein wenig Leben

Den imposanten Roman von Hanya Yanagihara hätte ich in Buchform wahrscheinlich nicht gekauft – die Geschichte von vier Freunden (Jude, Malcolm, JB und Willem), erzählt über mehrere Jahrzehnte, schien mir nicht interessant genug, um stundenlang über diesem Wälzer zu sitzen. Als Audible dann aber verkündete, dass mein neues Guthaben verfügbar ist, ließ ich mich doch dazu hinreißen. Schließlich gibt es bei Audible auch die Möglichkeit, Hörbücher bei Nichtgefallen einfach umzutauschen. Die Spieldauer von „Ein wenig Leben“ beträgt fast 36 Stunden und ist damit das bisher längste Buch, das ich gehört habe und was soll ich sagen: Ich habe bisher keine einzige Stunde davon bereut.

Hanya Yanagihara ist, denke ich, tatsächlich ein Meisterwerk gelungen. Es geht in diesem Roman nicht nur um Freundschaft, sondern um wirklich ALLES, was Beziehungen ausmacht: Liebe, Hass, Erwartungen, Enttäuschung, Nähe, Distanz, Vertrauen, Misstrauen, Streit, Versöhnung, Freud und Leid. Sie schildert abgrundtiefe, schwer zu ertragende Grausamkeiten, aber auch rührende Anteilnahme in einer so mitreißenden Art und Weise, dass die Stunden nur so verfliegen. An einer einzigen Sache habe ich mich allerdings erst gestört: In dem Buch kommt andauernd der Satz „Es tut mir leid“ vor. Hätte ich daraus ein Trinkspiel gemacht, also für jedes „Es tut mir leid“ einen Schnaps gekippt, wäre ich wohl mittlerweile Alkoholikerin. Am Anfang habe ich mich noch gefragt, wie der Lektor diese ständigen Wiederholungen übersehen konnte. Mittlerweile denke ich aber, dass das durchaus so gewollt war. Alle Personen in diesem Beziehungsgeflecht leiden auch an der einen oder anderen Stelle und das ist offenbar eine der Grundaussagen dieses Romans: Liebe ist ohne Leid nicht möglich. Drei Stunden muss ich noch hören, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es darauf hinausläuft.

Den Wunschpunsch werde ich im Anschluss weiterlesen. Und dann ist da ja auch noch meine April-Herausforderung: „Süchtig nach Leben“ von Peggy Parnass. Darüber dann mehr in vier Wochen.

Literaturangaben:

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“
von Michael Ende
K. Thienemanns Verlag in Stuttgart – Wien

„Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara
Gesprochen von Torben Kessler
(Anbieter: HörbucHHamburg HHV GmbH)
Carl Hanser Verlag GmbH & Co KG

SuB-Challenge: Juist – ein Lesebuch

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Hinweisschild auf Juist

Meine Februar-Herausforderung (Juist – ein Lesebuch/herausgegeben von Christine Brückner) habe ich mit Leichtigkeit bewältigt. Endlich! Meine Mutter hatte das Ullstein-Taschenbuch vor Ewigkeiten in der kleinen Juister Buchhandlung gekauft und mir geliehen. Jetzt weiß ich auch, warum. Das Buch ist – wie der Untertitel schon verrät – tatsächlich eine „Liebeserklärung in Texten, Versen und Bildern“. Für mich als alter Inselhase war die Lektüre ein echter Genuss. Juist ist so etwas wie ein Stück heile Welt: der lange weiße Sandstrand, die roten Backsteinhäuschen, das Pferdegetrappel in den kleinen Straßen, das urige Insel-Kino und die Geschäfte, die noch Mittagsruhe halten. Die Domäne Bill und der Hammerteich, die Radtouren bis zum Ende der Insel und zurück… das alles kenne ich schon seit Kindertagen und es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dort nichts wesentlich verändert. Dass es auch schon Jahrzehnte vor meiner Geburt so war, konnte ich nun nachlesen. Egal, ob es um die Badesaison in den 30er-Jahren oder die Nachsaison Mitte der 60er-Jahre geht – auf dieser Insel scheint die Zeit einfach stehengeblieben zu sein. Juist hat sich einen ganz besonderen Zauber bewahrt und beim Lesen dieses Buches wurde ich immer wieder daran erinnert.

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Ich kann mir vorstellen, dass dieses Lesebuch nicht nur für Juist-Kenner eine wahre Schatztruhe ist. Christine Brückner ist es gelungen, eine wirklich abwechslungsreiche Sammlung zusammenzutragen: heitere, aber auch melancholische Kurzgeschichten, Gedichte und Zeichnungen. Ich habe noch überlegt, dass ich später unbedingt den einen oder anderen interessanten Autor mal googeln sollte, aber selbst daran hatte Christine Brückner gedacht: Im Anhang befinden sich ausführliche biografische Hinweise und Quellennachweise. Eine besonders außergewöhnliche Juist-Geschichte wurde übrigens unter einem Pseudonym verfasst (Maerbodsheim: „Wenn Henny badet“). Schade, dass es von dem Autor offenbar nicht mehr zu lesen gibt – das Internet weiß jedenfalls nichts über ihn.
„Juist – ein Lesebuch“ ist nur noch gebraucht erhältlich. Auf Amazon.de wird es für lächerliche 0,01 Euro angeboten. Ich kann es auf alle Fälle empfehlen.