Monatsarchiv: April 2017

Neues zur Leineweberstraße

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Wertvoll und einzigartig: Die Platanen-Allee in der Leineweberstraße im April 2017.

Mittlerweile habe ich mich mit der Mülheimer BaumWatch-Gruppe auf Facebook in Verbindung gesetzt. Natürlich möchte auch sie verhindern, dass die wunderschöne, schützenswerte Platanen-Allee der Leineweberstraße der Kettensäge zum Opfer fällt. Ich habe nun die Hoffnung, dass eine rege Beteiligung bei der Info-Veranstaltung am kommenden Donnerstag (27.04., 18:00 Uhr in der Dezentrale, Leineweberstr. 15-17) die Stadtbäume doch noch vor der Fällung retten kann. Es ist zudem möglich, sich schriftlich beim

Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Stadtentwicklung
Herrn Blasch
Hans-Böckler-Platz 5
45468 Mülheim

für den vollständigen Erhalt einzusetzen. Und es existiert seit heute eine Online-Petition, die nicht nur unterschrieben, sondern auch sehr einfach über die sozialen Netzwerke weiterverbreitet werden kann: Link

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More Borders

Eine Grenze hast du bestimmt, dass sie die nicht überschreiten.
(Psalm 104, 9)

Wenn ich mich nicht mit Podcasts und Hörbüchern ablenke, lasse ich mich doch noch hin und wieder dazu hinreißen, alles Mögliche auf Facebook zu kommentieren. So auch vergangenen Karfreitag die WAZ-Meldung, dass Bischof Overbeck in seiner Osterbotschaft das „Austilgen“ der „falschen Sehnsucht nach einer geschlossenen Heimat mit Grenzen“ fordert (Link).

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Schön geschützt: Die Villa Josef Thyssen in Mülheim.

Es befremdet mich einfach, wenn sich leitende Kirchenfunktionäre (sowohl von katholischer als auch von evangelischer Seite) neuerdings – eigentlich seit Merkels fataler Einladung an alle – ausdrücklich für offene Grenzen aussprechen. Also im Grunde für die Abschaffung von Grenzen. Bereits die beschämende Rolle der Kirchen im Dritten Reich hat gezeigt, dass bei politischen Empfehlungen von der Kanzel herab durchaus Misstrauen angebracht ist.

Grenzen setzen ist nämlich ein zutiefst biblisches Thema – es kommt in der Bibel immer wieder vor, schon direkt zu Beginn der Schöpfung und auch am Ende. Grenzen sind in der Bibel sehr häufig gottgewollt und sie machen Sinn: sie schützen, schaffen klare Verhältnisse, weil durch sie z.B. Verantwortungsbereiche definiert werden. Fehlende Grenzen können laut Bibel zu Invasion, Kriminalität und Chaos führen. Also zu genau dem, was wir jetzt beklagen. Deshalb steht in der Bibel auch, dass es wichtig ist, sich an Grenzen zu halten – beispielsweise in 5. Mose 19, 14.

Grenzkontrollen sichern Frieden

In der Bibel wird mehrfach erwähnt, wie bedeutend Grenzen für Völker sind. Im Buch Josua zieht sich die Verteilung der Gebiete und Festlegung der Grenzen auf Gottes ausdrücklichen Wunsch über viele Seiten. Ruhe und Frieden kehrt erst ein, nachdem alle Herrschaftsbereiche akribisch genau aufgeteilt sind (Josua 13, 1 – 21, 45). Auch in den Psalmen wird mehrfach der Frieden erwähnt, der innerhalb festgelegter Grenzen herrscht (Psalm 147, 14 und Psalm 122, 7).

Wer nun meint, dass diese alttestamentarischen Regeln aber heute nicht mehr gelten, irrt. Dieses uralte Wissen, der Wunsch nach Kontrolle und Abgrenzung vor Gefahren, ist zeitlos. Selbst in der Offenbarung, also in der Vision vom kommenden Reich Gottes, ist von Grenzen die Rede. Hier sind es riesige Mauern aus Edelsteinen, bewacht von Engeln, die für Sicherheit und Ordnung sorgen. Wer Einlass verdient und wer nicht, wird also genau kontrolliert (z.B. Offenbarung 21, 12 – 27).

Aber hätte Jesus nicht anders gehandelt? Wohl kaum. Gerade Jesus grenzte sich in seinem Leben immer wieder ab und zeigte klare Kante. So schmiss er beispielsweise die Händler und Wechsler sehr rigoros aus dem Tempel. Es war ihm nämlich zutiefst zuwider, dass diese Leute aus seinem Haus eine „Räuberhöhle“ gemacht hatten (Markus 11, 15 – 18).

Eigentlich ist es ganz einfach: Das, was man liebt, was einem wertvoll ist, das muss man auch schützen. Es ist mir ein Rätsel, warum das neuerdings für Deutschland nicht mehr gelten soll. Wenn sich Kirchenobere für eine linksextreme „No-Borders“-Ideologie aussprechen, mag das viel über sie selbst und ihre Haltung zu Merkels Politik aussagen, aber nichts über das Welt- und Menschenbild der Bibel.

Zu dem Thema kann ich noch das Interview von Imad Karim mit Ordensschwester Hatune Dogan empfehlen:

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Feiert schön!

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Mülheims Masterplan

Neues aus Mülheim: Wie die WAZ zuletzt am 07.04.2017 vermeldete, soll die Leineweberstraße – und damit wohl die letzte Allee in der Mülheimer Innenstadt – nun „freundlicher gestaltet werden“ (Link). Das bedeutet nach dem Geschmack der Mülheimer Politiker mal wieder: Abholzen, was das Zeug hält. Nachdem für das umstrittene Ruhrbania-Projekt schon trotz zahlreicher Bürgerproteste das Gartendenkmal der Ostruhranlagen samt wertvollen alten Baumbestand plattgemacht wurde, soll es bereits in diesem Jahr zwölf Platanen der Leineweberstraße an den Kragen gehen – um Platz für drei (!) Parkplätze zu schaffen. Insgesamt sind nur zwei Ersatzpflanzungen vorgesehen.

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Die Leineweberstraße ist eine der ganz wenigen grünen Oasen inmitten der Stadt Mülheim. Dass dort einige Leerstände zu beklagen und nicht so viele attraktive Geschäfte zu finden sind, wird ganz sicher nicht an den schönen alten Bäumen liegen. Lt. WAZ-Artikel vom 08.02.2017 (Link) geht die Stadtverwaltung davon aus, dass die massive Ausdünnung von fast jeden zweiten Baum den Alleecharakter nicht einschränken wird – was allerdings nur sehr schwer vorstellbar ist. Denn die Leineweberstraße ist gerade wegen ihrer relativ hohen Anzahl an alten Bäumen besonders attraktiv, bietet vor allem in den Sommermonaten eine angenehm kühle Atmosphäre unter einem dichten grünen Blätterdach. Die Idee, unbedingt mehr Licht in diesen Bereich bringen zu wollen, wird keine Verbesserung darstellen, denn ohne das viele Grün wird dann nur eines überdeutlich: Dass die Straße außer relativ hässlichen Geschäftshäusern nicht viel zu bieten hat (siehe Foto). In der PDF „Masterplan öffentlicher Raum Mülheim an der Ruhr 2015“ (Link) kann selbst die schöne Animation auf Seite 24 nicht darüber hinwegtäuschen. Hier ist übrigens auch erkennbar, dass die Planung von völlig anderen Bäumen ausgeht. Wie schon bei Ruhrbania liegen also offensichtlich Welten zwischen Entwurf und Realität.

Jetzt hat das Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Stadtentwicklung alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einem Info-Abend eingeladen: Donnerstag, den 27.04.2017 ab 18:00 Uhr in der Dezentrale, Leineweberstraße 15-17. Veranstaltungen dieser Art sind in der Regel deprimierend, weil sie an der bereits beschlossenen Sache nichts mehr ändern können. Ich bin aber trotzdem mal gespannt, ob die Kosten, für die die Anlieger nun entgegen der ursprünglichen Planung aufkommen sollen, ein Thema sein werden. Hätte man sich auch für die Umgestaltung entschieden, wenn die vorher bekannt gewesen wären? Und warum wurde der Landschaftsbeirat zu der Lichtung der geschützten Allee nicht befragt? Der hätte bei Änderungen dieser Art nämlich ein Vetorecht gehabt.

Happy, holy & confident

Um mir die Zeit bis zu meinem nächsten Audible-Abo-Hörbuch zu vertreiben, höre ich übrigens ab und zu Podcasts. iTunes bietet eine Riesen-Auswahl an kostenfreien Sendungen zu allen möglichen Themenbereichen. Vor einigen Monaten stolperte ich zufällig über „Happy, holy & confident. Dein Podcast fürs Herz und den Verstand“ von Laura Malina Seiler (siehe auch: www.lauraseiler.com). Die herausragenden Kritiken hatten mich neugierig gemacht: Könnte ein Life Coach mir irgendetwas Interessantes erzählen? Würde mich das irgendwie weiterbringen?

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Die Antwort lautet beide Male: JA! Laura Malina Seiler kann das auf jeden Fall. In jeder ihrer Podcast-Folgen sprüht sie nur so vor Energie und Begeisterung und das steckt an. Wann immer mich das Elend dieser Welt herunterzieht, genügt nur eine Podcast-Folge, um mich wieder in Richtung Optimismus einzunorden. Manchmal frage ich mich, wozu man eigentlich noch eine Coaching-Stunde bei ihr buchen soll, wo sie doch schon jede Woche über alles, was inspiriert und motiviert, gratis spricht. Zudem bietet sie kostenlose Meditationen und Webinare an (aktuell den „Spiritual Sunday“ jeden Sonntag live um 9:00 Uhr). Aber ihr Konzept scheint offenbar aufzugehen: Ihre erfolgreiche Podcast-Serie hat ihr eine treue Fan-Gemeinde beschert, die auch gerne ihre kostenpflichtigen Programme in Anspruch nimmt.

Hin und wieder hat Laura Malina Seiler ganz interessante Gäste in ihrer Sendung. So z.B. in der Folge vom 29.03.17 den Magier und Hypnotiseur Thimon von Berlepsch. Die Möglichkeit, dass man Menschen, wenn sie nur offen und bereit sind, den eigenen Verstand kurz auszuschalten, zu völlig absurden Annahmen bringen kann (z.B. dass sie glauben, der Hypnotiseur sei unsichtbar – sie können ihn dann tatsächlich nicht sehen), finde ich ausgesprochen faszinierend und damit erkläre ich mir neuerdings auch das Massenphänomen der deutschen Willkommenskultur. Es muss irgendetwas mit einer posthypnotischen Suggestion zu tun haben, wenn Menschen alles, was dagegen spricht, alle Armen dieser Welt nach Deutschland einzuladen – z.B. die Verbreitung von Islamismus, Kriminalität und Terrorismus – so komplett ausblenden können und unsere Medien spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber das ist natürlich ein anderes Thema.

In einer Podcast-Folge wird übrigens geraten, kaum oder am besten gar keine Nachrichten zu verfolgen. Das könnte der Grund für Laura Malina Seilers ausgesprochen gute Laune sein. Vielleicht sollte ich diesen Rat einfach mal beherzigen.

SuB-Challenge: Der Wunschpunsch

Genauer gesagt (dieses eine Wort hatte ich auf dem Titel immer überlesen) „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ von Michael Ende. Meine Challenge für den Monat März bestand darin, dieses Buch aus meinem Stapel ungelesener Bücher zu lesen oder ihm wenigstens eine Chance zu geben.

Wer bereits „Momo“ oder „Die unendliche Geschichte“ verschlungen hat, wird sicherlich auch an diesem Kinderbuch seine Freude haben. Schon im ersten Kapitel gelingt es Michael Ende eine Spannung aufzubauen: Wer ist der Wunschpunsch? Wird Irrwitzer seinen bösartigen Auftrag bis Mitternacht erledigen können? Die immer wieder abgebildete Uhr mit dem immer weiter vorrückenden Zeiger steigert die Dramatik und macht Lust auf die nächsten Seiten. Als ich dann auf Seite 22 war, kam mir leider etwas dazwischen:

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Ein wenig Leben

Den imposanten Roman von Hanya Yanagihara hätte ich in Buchform wahrscheinlich nicht gekauft – die Geschichte von vier Freunden (Jude, Malcolm, JB und Willem), erzählt über mehrere Jahrzehnte, schien mir nicht interessant genug, um stundenlang über diesem Wälzer zu sitzen. Als Audible dann aber verkündete, dass mein neues Guthaben verfügbar ist, ließ ich mich doch dazu hinreißen. Schließlich gibt es bei Audible auch die Möglichkeit, Hörbücher bei Nichtgefallen einfach umzutauschen. Die Spieldauer von „Ein wenig Leben“ beträgt fast 36 Stunden und ist damit das bisher längste Buch, das ich gehört habe und was soll ich sagen: Ich habe bisher keine einzige Stunde davon bereut.

Hanya Yanagihara ist, denke ich, tatsächlich ein Meisterwerk gelungen. Es geht in diesem Roman nicht nur um Freundschaft, sondern um wirklich ALLES, was Beziehungen ausmacht: Liebe, Hass, Erwartungen, Enttäuschung, Nähe, Distanz, Vertrauen, Misstrauen, Streit, Versöhnung, Freud und Leid. Sie schildert abgrundtiefe, schwer zu ertragende Grausamkeiten, aber auch rührende Anteilnahme in einer so mitreißenden Art und Weise, dass die Stunden nur so verfliegen. An einer einzigen Sache habe ich mich allerdings erst gestört: In dem Buch kommt andauernd der Satz „Es tut mir leid“ vor. Hätte ich daraus ein Trinkspiel gemacht, also für jedes „Es tut mir leid“ einen Schnaps gekippt, wäre ich wohl mittlerweile Alkoholikerin. Am Anfang habe ich mich noch gefragt, wie der Lektor diese ständigen Wiederholungen übersehen konnte. Mittlerweile denke ich aber, dass das durchaus so gewollt war. Alle Personen in diesem Beziehungsgeflecht leiden auch an der einen oder anderen Stelle und das ist offenbar eine der Grundaussagen dieses Romans: Liebe ist ohne Leid nicht möglich. Drei Stunden muss ich noch hören, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es darauf hinausläuft.

Den Wunschpunsch werde ich im Anschluss weiterlesen. Und dann ist da ja auch noch meine April-Herausforderung: „Süchtig nach Leben“ von Peggy Parnass. Darüber dann mehr in vier Wochen.

Literaturangaben:

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“
von Michael Ende
K. Thienemanns Verlag in Stuttgart – Wien

„Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara
Gesprochen von Torben Kessler
(Anbieter: HörbucHHamburg HHV GmbH)
Carl Hanser Verlag GmbH & Co KG